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Rabenschwarz: „Lasst dicke Männer um mich sein!“

Mit poetischer Bosheit und trauriger Sehnsucht überzeugten zwei Damen in Bonn-Beuels Theater „Die Raben“.

Bonn-Beuel (rml) - Eine leere Parkbank, im Hintergrund das Klavier. Es war ein erfreulich puristisches Bühnenbild, das sich den rund 25 Zuschauern im Theater „Die Raben“ bot – ein kreativer Platz, der geradezu liebenswert klischeehaft in Bonn-Beuels Alter Tapetenfabrik Kulturarbeit bietet. Der Urimpuls aller Kultur ist bekanntlich die Liebe. Und so deutete bereits der Titel des Samstagabends, 4. Januar 2006, die Spannweite der Gefühle an: Sehnsucht, Euphorie, Ernüchterung, Verbitterung, Zynismus, Wehmut, Milde: „… und die Liebe wär` noch warm.“ Alles dabei in Sachen Lust und Leid, von der Bordsteinschwalbe der Zwanziger Jahre, empathisch in ihren Gedanken nachempfunden von Erich Kästner – bis zum wienerisch boshaften „Tauben vergiften im Park“ des mittlerweile 84-jährigen Georg Kreisler.

Für ihr „Schauspiel mit Lied und Lyrik“ wählten die beiden Damen überwiegend Texte von Männern aus – von Poeten freilich. Die stehen im Ruf, die Sehnsüchte, Begehrlichkeiten und Enttäuschungen der Damenwelt besonders gut in Worte kleiden zu können. Schauspielerin Simone Silberzahn bereicherte diese Worte um eine energie-geladene, dynamische Gestik und Mimik – und wirkte dabei in ihrer Darstellung weiblich sinnender Charaktere niemals übersteuert. Souverän spielte sie ihre Rolle auch beim Eindringen in die Reihen des Publikums. Sie tanzte in Schauspiel und Gesang so sicher auf der Klaviatur der großen Gefühle wie Pianistin Melitta Bubalo sie behutsam, mit viel Einfühlungsvermögen begleitete.

„Haben Sie schon mal Liebesbriefe bekommen?“ fragt Silberzahn euphorisch ins Publikum. Bubalo spielt die ersten Takte von Peter Maffays „Und es war Sommer“. Derlei Umlullen entpuppt sich durch abrupten Abbruch schnell als Ironie. Und Silberzahn sagt Sätze wie „Dein Name tropft wie Rindertalk“. Der letzte Text des Abends stammt von einer Frau aus dem literarischen Umfeld Bertolt Brechts: Marie-Luise Fleißer. Doch Fleißers Text „Briefe im April“ ist - in Umkehr der meisten vorangegangenen Texte – aus männlicher Sicht geschrieben. Eine schöne, insgesamt durchaus traurige Text- und Liedauswahl, die Silberzahn und Bubalo getroffen haben. Um es mit Erich Kästners „Animierdame“ zu sagen:

„…Falls einer freilich glauben wollte,
mir könne Geld im Bett genügen,
also, wenn ich die Wahrheit sagen sollte:
müsst ich lügen...“

Simone Silberzahn hat ihre Ausbildung am Zentrum für Schauspiel, Köln, gemacht, in klassischen Disziplinen wie Ballett, Schau-Fechten, Gesang, Sprech-Ausbildung. Melitta Bubalo unterrichtet Klavier, begleitet Lesungen musikalisch. Sie ist engagiert in der Musiker-Initiative Imprompt in Bonn.

„… und die Liebe wär` noch warm“ ist das erste gemeinsame Projekt der beiden Frauen, die sich zu einem „Chanson-Theater“ zusammengetan haben. Bleibt zu hoffen, dass dies eine längere künstlerische Zusammenarbeit wird, zum Beispiel im Theater „Die Raben“. Sie finden das Theater in Bonn-Beuel in der Alten Tapetenfabrik, Auguststraße 10. Internet: www.theater-die-raben.de.  Rund 50 Zuschauer-Plätze für alle, die närrisch sind nach Kulturspannung.

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