PFEILINFO,
der Thementransport
www.pfeilinfo.de


 

Service in Sachen Text - Sprache - Bild
Pfeilfinder (TM) Kommunikation

 

z.B. Frauenkirche Dresden
>> Modellbau ? Pfeilfinder !

 

>> HOME / NAVIGATION - >> MAGAZIN - >> DIENSTLEISTER / SERVICE - >> KONTAKT


>> KUNST - SPECIAL (Übersicht)


>> ZWISCHEN KÖLN UND BONN (Übersicht)


Auftaktkonzert 2009 des Orchester Peterhof

DER FRÜHLING KAM MIT DEM HAYDN

Orchester Peterhof, das sich der Förderung der deutsch-russischen Musikfreundschaft verschrieben hat, wird immer bekannter. Das Auftaktkonzert 2009 begrüßte in kammermusikalischer Besetzung den Frühling.

- eine Konzertbesprechung von Rainer Maria Liesenfeld -

2. Mai 2009. Es haftet immer noch ein wenig katholischer Klostermief in dem von den Dominikanern aufgegebenen Gebäuden Walberbergs. Und so hängt in dem eigentlich recht freundlichen Raum von ehemals „Sankt Albert“ nach wie vor ein archaisch gekreuzigter Jesus von der Decke herab. Sei es diesem Umstand geschuldet, dass sich Orchester Peterhof entschloss, ausgerechnet einen dienststreng christlichen, wenngleich lutherischen Bach in seine „Frühlings-Serenaden“ mit aufzunehmen. Schweres Moll mitten in der schönsten Zeit des Jahres? Da hätte man mit einem festlich-diesseitigen Händel oder einem quirligen Vivaldi sicherlich eine angemessenere Wahl für den Frühling gefunden - so, wie auch konsequente Programmmusik für den Titel der Veranstaltung näher gelegen hätte als Bachsche Absolut-Töne.

Doch als sich das Ensemble durch den ersten missmutigen Regen des Herrn Bach gearbeitet hatte, wurde die Molltonlage in den beiden letzten Sätzen von BWV 1067 doch noch zärtlich. Da konnte man schon vorm inneren Auge sehen, wie die Knospen in den ersten Sonnenstrahlen sacht sich zu öffnen begannen: Mit dem feinen Menuett- und dem bekannten flotten Badinerie-Satz fast schon auf Frühlingskurs! Und dies, obwohl die hellen Streicher in der Lautstärke zur Querflöte ein wenig zu dominant wirkten, die Querflöte jedenfalls zu schüchtern. Etwas mehr Teamplay bitte!

Auf breiter Front rissen die Wolken auf, als ein Andante Cantabile anmutig durch den Raum schwebte. Die Sonne schickte Strahlen auf die Erde. Der Clematis begann taftig zu blühen. Der Flieder begann zu duften. Und die Kastanienkerzen stellten sich stolz und elegant in den beginnenden Mai. Dass nun endlich lächelnde Mädchen in luftigen Röckchen übers frische Grün hüpften, war Josef Haydn zu verdanken, dem gegenüber Mozart und Beethoven chronisch unterschätzten Starter der Wiener Klassik. Sauberer Vortrag des Orchesters Peterhof in kammermusikalischer Besetzung: fünf Mal Violine, einmal Viola – sowie Violoncello und Contrabass. Auffällig Lidia Dobrzhynets’ ebenso spritziger wie feinnervig-sensibler Strich an der Violine. An Dobrzhynets’ Spiel spürte man am deutlichsten: Hier arbeiten Künstler, die auch solo mit Bravour spielen.

In der Programm-Pause wäre ein angereichtes Kölsch gar nicht übel gewesen. Doch leider scheint der Restaurant-Betreiber der „Domäne Walberberg“ derzeit noch zu reich, um Lust aufs Geldverdienen zu verspüren. Immerhin erstaunlich in der anhaltenden Wirtschaftskrise!

Entschädigung musikalisch nach der Pause: Mozarts Kleine Nachtmusik, ursprünglich für die Aufführung direkt unter mildem Frühlingshimmel geschrieben, wurde sauber gespielt, insbesondere in der Andante-Romanze des zweiten Satzes. Der vierte Satz in Rondo-Form hätte noch einen kleinen Tick mehr an Nervosität vertragen. Doch die Gesamtheit stimmte.

Mozarthafte Klänge sollten zum Schluss des Konzertes nochmals auftauchen. Allerdings nicht von Mozart selbst. Sondern von einem Mozart-Zeitgenossen und -Konkurrenten. Jedes Ohr kennt Luigi Boccherinis Menuett. Und vom Kammerensemble des Orchesters Peterhof wurde dies besonders fein gespielt.

Mit Ankündigung vorgezogen wurde jedoch Franz Danzi, der als ein Wegbereiter der musikalischen Romantik gilt. Bei Danzis Opus 41 durfte man sich überzeugen, wie sehr die Solisten Julia Poliak (Querflöte) und ihr Mann Eugen Poliak (Klarinette) im gemeinsamen Spiel harmonieren. Prima!


Von Verärgerung (der weltferne Bach, das fehlende Pausen-Kölsch) bis zu Begeisterung (der Haydn, der Mozart) war in diesem Konzert alles dabei. Und als Gesamteindruck nach der Zugabe blieb die Erkenntnis: Bitte mehr vom Orchester Peterhof, ob nun symphonisch oder kammermusikalisch! Hoffentlich jedenfalls mit einer insgesamt glücklichen Auswahl der Stücke. Die heilige Kuh Johann Sebastian Bach darf ruhig insofern entzaubert sein, dass man sich je die brauchbaren Sätze aus dem betreffenden Gesamtwerk herausschneidet, ganz entgegen der orthodoxen Lehre eines zwingenden Komplett-Vortrags. Orchester Peterhof möchte ich wünschen, dass es seine hohe spielerischere Professionalität durch eine etwas stringentere Wahl bei der Programmgestaltung unterstreicht - und im Programm-Blatt die gespielten Sätze durch Tempi-Angaben nennt. Störender Applaus zwischen den Einzel-Sätzen einer Komposition wird so zuverlässig vermieden - und ballt sich dafür am Ende der thematischen Einheit.


rml – pfeilinfo.de – 02.05.09